10.2016 | Ripkedemy - Kevin Springmann

Ripkedemy in Los Angeles

Ich weiß gar nicht wo ich mit diesem Erlebnis überhaupt anfangen soll. Mittlerweile ist es ein paar Tage her, dass ich in Amerika bei einem abgespeckten Ripkedemy-Workshop von Paul Ripke war, aber ich werde diese Tage für immer in bester Erinnerung behalten.

Fangen wir mal ganz ganz vorne an: Als ich mit Nico und Alessandro in Porto war im September diesen Jahres habe ich, fleißig wie ich bin, ganz viele Bilder geschossen. Einige dieser Bilder habe ich dann in Instagram gepostet und war sehr stolz darauf. Als dann ein Gewinnspiel von Paul Ripke gepostet wurde, das von der Telekom und von Huawei gesponsert wird, bei dem man ein Bild im Stile des amerikanischen Sommers auf Instagram hochladen und mit drei Hashtags versehen soll dachte ich, dass ich ja nichts verlieren könne und sowieso schon einige Bilder gepostet habe, die ansatzweise nach amerikanischem Sommer aussehen. Also habe ich ohne große Hoffnung auf den Gewinn - einen dreitägigen Workshop bei Paul Ripke in Los Angeles mit Flüge, Hotel und allem drum und dran - mitgemacht und es ziemlich schnell auch abgehakt. Dann folgte der Moment:

Ich saß bei meinem Bruder, den Controller in der Hand und gerade das FIFA-Spiel 1. FC Heidenheim im Karrieremodus gegen den 1. FC Nürnberg. Zweite Liga, ich liege hinten und rege mich voll auf, während eine Nachricht in Instagram eingeht, die meinte ich hätte mit dem geposteten Bild die Challenge gewonnen. Natürlich habe ich dem ganzen erstmal nicht so viel Beachtung geschenkt und das Spiel fertig gespielt - verloren, aber egal. Und dann nochmal genau gelesen. Und nochmal gelesen und meinem Bruder erzählt, was es mit dem Gewinnspiel auf sich hat. Ich dachte ich werde gerade verarscht, weil mir auch die Nachricht von einer privaten Person übermittelt wurde, aber da ich sowohl in Facebook von der Person angefragt und angeschrieben wurde, in Instagram das Foto damit kommentiert wurde und ich ebenda auch eine private Nachricht bekommen habe, fing ich an es zu glauben. Einen Tag später wurde ich dann von dieser Person angerufen - Denise. Denise ist die Projektmanagerin beauftragt von Huawei das alles zu organisieren und durchzuführen. Sie hat mir alles erklärt und ich bin quasi ausgerastet, ich habe all meinen Freunden von der Nachricht erzählt, ich habe mich mega gefreut, ich war nervös und zittrig und konnte nicht aufhören zu lachen und es zu glauben. Ich sollte so schnell wie möglich einen Reisepass und das ESTA-Visum beantragen und in gut drei Wochen würde es auch schon losgehen. Und so war es.

Ich versuche mich so kurz zu halten, wie es geht, aber die Tage Ende Oktober waren die wohl 7 ereignisreichsten Tage in meinem ganzen Leben. Ich kann mich nicht erinnern so viele wahnsinnige Erlebnisse in so komprimierter Zeit erlebt zu haben. Das macht es etwas schwierig, aber ich versuche mal chronologisch diesen unfassbaren Trip zu rekonstruieren:

TAG 1

Erst waren Nico und ich mit Alessandro noch Samstagabend in Mainz beim Aktuellen Sportstudio vom ZDF. Das war das zweite Mal, dass wir dort waren. Diesmal war Dortmund-Manager Hans-Joachim Watzke zu Gast. Nunja. Ursprünglich wollten wir eventuell dann in Frankfurt oder Mainz übernachten, weil wir sowieso morgens um 7:45 Uhr Treffpunkt hatten mit den anderen, aber wir sind nochmal heimgefahren. Um 2:00 Uhr zuhause angekommen musste ich erstmal noch packen. Tshirts, Shorts, Badehose - wird ja warm dort im Vergleich zu den 5°C in Deutschland, muhaha. Nachdem dann 4:00 Uhr morgens war wäre es auch nicht mehr lohnend gewesen sich nochmal hinzulegen. Also bin ich wach geblieben, hab die Nacht durchgemacht und um 5:00 Uhr morgens wurde ich von Nicos Eltern abgeholt, die uns nach Karlsruhe an den Bahnhof gefahren haben. Von da aus mit dem ICE zum Flughafen in Frankfurt und verzweifelt minutenlang nach dem Treffpunkt gesucht. Nico und ich haben null Ahnung gehabt, wie wir da hinkommen, wo wir hinkommen hätten sollen. Nach zwei Anrufen und einer Erkundung der Frankfurter Flughafenwelt haben wir es auch endlich geschafft. Da warteten sie: Carolin Schlein, 18 Jahre jung und Gewinnerin der zweiten Ripkedemy-Challenge von Huawei, Christoph Schlein, 30 Jahre alt, Bruder von Carolin und der Opa unserer Gruppe, sowie die Projektmanagerin Denise, irgendwo Mitte 20 und so cool wie keine zweite. Da wir uns recht früh getroffen haben folgte erstmal ein Kennenlernen im Starbucks. Und natürlich das erste Geschenk von Huawei: ein Pokerkartenset. Yeah! Wir haben geredet geredet geredet, ein paar erste Bilder mit den Sofortbildkameras gemacht und uns dann in Richtung Gate aufgetan. Sicherheitskontrollen pipapo, bisschen Fragen hier, bisschen Fragen da und dann ins Flugzeug nach London und von London nach LAX - Los Angeles! Unglaublich. Amerika.

Der Flug war ganz angenehm, hätte schlimmer laufen können, hätte aber auch bequemer laufen können. In der Business-Class zum Beispiel. Aber ja, einem geschenkten Gaul schaut man ja nicht ins Maul. Wir sind angekommen und überglücklich, dass wir in LA sind! Die ersten Eindrücke zu viel für mein übermüdetes Gehirn, ich hab es einfach auf mich wirken lassen, als wir im Privat-Shuttle-Auto von einem Asiaten zu unserem Hotel gefahren wurden. Die Zimmer verhältnismäßig groß, wenn man sonst nur A&O-Hotelzimmer gewöhnt ist. Ich hab mir ein Doppelzimmer mit großen Einzelbetten mit Nico geteilt. Nach kurzem Einrichten sind wir noch schnell was Essen gegangen und dann gleich schlafen, denn morgen um 11:00 Uhr wird es soweit sein: Wir sehen Paul Ripke am Pool nach dem Frühstück!

TAG 2

Oh wie gut tat das Bett, nachdem ich ewig nicht mehr geschlafen hatte und dann einen Langstreckenflug von insgesamt 13 Stunden hinter mir hatte. Es hat sich angefühlt wie auf 100 Schafen zu schlafen. Morgens dann in der ebenerdigen Dusche frisch gemacht, so gut es ging und runter zum Frühstück, wo schon Caro, Chris, Denise und Felix saßen. Felix Kahle ist sozusagen der Manager von Paul Ripke, der sich hauptsächlich um dessen Aktionen in Verbindung mit Unternehmen, wie eben z.B. Huawei kümmert. Was Nico und ich schon direkt nach einigen Minuten erkannt haben: Der Typ hört sich an wie Joachim C. Winterscheidt. Und das hat seinen Grund, wie sich später herausgestellt hat, denn Felix ist Jokos bester Kumpel. Fragt sich nur, wer sich hier wem bezüglich Artikulation und Phonologie angepasst hat. Nach Bacon, Eier und Toast haben wir dann gewartet. Paul kam angekündigt zu spät, weil er noch im alltäglichen Stau von Los Angeles feststeckt, aber er ist unterwegs. Währenddessen hat Denise etwas auf ihrem Zimmer geholt und Carolin und mich mit einem edlen Huawei P9 überrascht, was wir ab diesem Moment unser nennen durften! Ich konnte es kaum glauben, ich wusste es einfach nicht mehr zu realisieren, was die letzten Stunden mit meinem Leben so passiert. Das neuste Huawei mit einer integrierten Kamera, die von Leica stammt. Gehts noch?

Leider war es scheinbar schon gebraucht und hätte zurückgesetzt werden müssen, was dann die gesamten 6 Tage nicht funktioniert hat, weswegen ich das Handy nicht benutzen konnte, aber es wird mir noch nachgeschickt hier in Deutschland, sobald das geregelt wurde.

Es wurde Zeit. 11:20 Uhr circa, Treffpunkt ist der Pool vom Hotel. Wir haben uns da mal hin begeben und keine fünf Minuten später war es soweit: In pinkem Short, weißem Tshirt mit dunkelgrauem Streifen, einer weinroten Cap, die er falschrum trägt und Flip-Flops kam er trottelig mit seinem Assistenten David Osterkorn dahergelatscht. Im Gespräch mit David hat er sich zu uns gesellt und uns dann die Hand gegeben und begrüßt. Hört sich lächerlich an, aber mein Herz hat gepocht. Ich weiß, Paul sieht sich alles andere als ein Star, aber für mich ist er sowas in die Richtung, denn seit ich seine Arbeiten kenne, seit ich von ihm gehört habe - das dürften etwa gute zwei Jahre sein - ist er das größte Fotografenvorbild für mich und ich habe mir nichts sehnlicher gewünscht, als diesen Menschen mal persönlich kennenzulernen. Und da war er, der Moment. So normal, wie erwartet und doch so unglaublich unnormal und vor allem unreal, weil er einfach vor mir sitzt und die nächsten drei Tage mit mir, dem faulen Grundschullehramtsstudent aus dem liebenswerten Kaff Achern rumhängen wird. Genug.

Ich kann eins sagen: es war krass sich daran zu gewöhnen, dass man jetzt viele Stunden mit seinem größten Vorbild rumhängt, dass man mit einem Fotografen Zeit verbringt, der die deutsche Nationalmannschaft kennt und beim Moment des Lebens dieser Jungs dabei war, dass man mit einem Menschen Zeit verbringt, der der beste Kumpel von Marteria ist, der so viele bekannte Menschen kennt und den man sonst nur aus dem Fernsehen oder aus sozialen Netzwerken kennt. Aber da will ich nicht mehr weiter drauf eingehen. Irgendwann hat es sich so angefühlt, als würde man mit Paul seit langem befreundet sein und gerade für gewöhnlich n paar Tage das Leben genießt. Und genau das ist ja auch seine Stärke. Sich so auf Menschen einlassen, dass sie ihm vertrauen. Kommen wir zu dem, was wir dann gemacht haben:

Wir haben uns jeweils vorgestellt, haben ein wenig am Pool geredet und dann hat Paul uns erklärt, dass der eigentliche Ablaufplan etwas geändert wurde und er spontan das ein oder andere verschieben oder ersetzen möchte und was heute alles ansteht. Ging klar. Dann sind wir auf das Zimmer von Felix, haben den Laptop mit dem Fernseher verbunden und Paul hat uns brandaktuelle Bilder von den Tagen zuvor gezeigt, die er von Nico Rosberg beim Formel-1-Rennen in Austin gemacht hat und uns beschrieben, wie so seine Arbeit da abläuft - um uns auch etwas die Angst zu nehmen und zu zeigen, dass es sehr bodenständig abläuft. Dann hat er uns dies und das zu seiner Bildbearbeitung und zu seinem Workflow erklärt und beschrieben und begonnen die Ripke'sche Regeln zu benennen, diese wie folgt lauten:


1. Agieren vor Reagieren.

2. Immer Bargeld dabei haben.

3. Saufen gehn!

4. Mutig sein.

5. Fett werden.

6. Sich nicht an alle Vorschriften halten.

7. Vordergrund macht Bild gesund.

8. Sunk Cost Fallacy


Wir sind zum Mittagessen alle zusammen dann zum In'n'Out Burger - der wohl geilsten Burgerkette in ganz LA oder sogar der Welt - und haben uns die Plauze vollgefressen. Abgöttisch geiles, fettiges, fleischiges deliziöses Burgeressen!

Außerdem sind wir an dem Tag dann noch zum Walk Of Fame und sind dort eine ganze Weile rumgelaufen und haben mit unseren Huawei P9s die Sterne auf der Straße fotografiert, bis wir einen Tumult an der Straße bemerkt haben. Ein "Paul-Ripke-Moment", zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Barack Obama soll in wenigen Minuten vorbeifahren, deswegen so viel Polizeiaufgebot und so viele Menschen. Und so war es.

Wir sind weitergefahren und haben schließlich den Tag damit abgeschlossen den Sonnenuntergang bei den Hollywood Hills zu genießen mit Blick zum Hollywood-Sign und über Los Angeles. Da entstand dann auch ein Running-Gag, der den Bienenbuckel in Oberachern wohl zu unverhoffter Bekanntheit verholfen hat. Wir waren gerade dabei den Sonnenuntergang zu fotografieren, während ich kurz mit irgendetwas anderem beschäftigt war. "Kevin, jetzt konzentrier dich, die Sonne geht unter" - "Jaa, mein Gott, so geil ist das jetzt auch nicht, das seh ich, wenn ich will auch am Bienenbuckel bei uns daheim". Und so breitete sich die Fassungslosigkeit über meine vermeintliche Undankbarkeit über alles aus. Dabei war das gar nicht so gemeint, haha. Aber jegliche Form von Rechtfertigung hat nichts gebracht, ab sofort wurde ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit gefragt, ob es denn am Bienenbuckel in Oberachern genauso geil ist. Tag 2 Ende.

TAG 3

Als uns der Wecker am Vormittag aus dem Schlaf gerissen hat, war noch manches zu tun für mich. Paul meinte tags zuvor, dass er den Plan umgeschmissen hat und gerne mit uns zum Joshua Tree National Park fahren würde um mit uns den Sonnenaufgang zu fotografieren einen Tag später. Da das aber drei Autostunden von unserem Hotel entfernt ist, hätten wir um 2 Uhr morgens losfahren müssen, um pünktlich um 5 Uhr anzukommen - wir kamen aber voraussichtlich erst um 23 Uhr im Hotel an, weswegen alles unsinnig gewesen wäre. Lange Rede kurzer Sinn: wir sollten Schlafsachen mit einpacken, Paul besorgt uns ne Unterkunft für die Nacht auf seinen persönlichen Nacken. Ich musste in relativ kurzer Zeit meine Sachen richten, mich duschen und richten, frühstücken und 5 Bilder aussuchen, zu denen uns Paul erklären wird, wie sie entstanden sind und welche Geschichte damit verbunden ist. Etwas stressig, aber ich habs noch halbwegs rechtzeitig geschafft, haha. Wir fuhren los, Paul wollte uns zeigen, wo er ne Woche vorher mit Pamela Reif (pamela_rf) Bilder gemacht hatte. Eine Weile später stiegen wir inmitten einer Hügel- bzw. Berglandschaft aus, die sich Malibu Hills nannten. Wir wollten kurz auf Felix und Denise warten, die ein wenig später losgefahren sind. So entstand dann auch ne kleine Side-Bet zwischen Paul und David - $50, wenn Felix und Denise in den nächsten 5 Minuten auftauchen. Top, die Wette gilt. 5 Minuten und 23 Sekunden später waren Felix und Denise bei uns und Paul entsprechend $50 ärmer. Scheiße wars. In der Zeit, als wir auf die beiden gewartet haben, wollte ich auf der Straße ein Bild von mir und hab den Herrn Starfotograf gefragt, wie er vorgeht, wenn er jetzt ein Bild machen solle. Er meinte er würde kategorisch schon mal gar keine Bilder um diese Uhrzeit und dem Sonnenlicht machen, immer erst abends oder vormittags, wenn die Sonne tief steht. Aber, weil ich jetzt unbedingt mein Foto wolle, würde er mich in den Schatten in den Schneidersitz und auf den Mittelstreifen der Fahrbahn setzen. Nico sollte dann symmetrisch ein Bild von mir machen und ich sollte mit meiner analogen Kamera so tun, als ob. Ich bin echt zufrieden damit. Nach einigen weiteren Minuten Fahrt sind wir wieder ausgestiegen. Die Aussicht da war der Hammer! Man konnte sehr weit sehen, man fühlte sich wie der König der Welt. Ein falscher Schritt und man war wahrscheinlich tot gewesen, wenn man die Klippe runtergefallen wäre, aber wir sind ja alle Fotografen-Vollblutprofis, wir wissen wie wir mit der Gefahr umzugehen haben. Nicht zuletzt war eine Regel von Paul ja auch "seid mutig". Okay genug der Übertreibung. Wir haben alle voneinander Bilder gemacht in allen möglichen Posen, Stellungen und aus allen Blickwinkeln, wir Models. David und Paul haben dann auch ihre Drohne ausgepackt und fliegen lassen - ich hoffe die Aufnahmen krieg ich noch zugeschickt, dann kann ich vielleicht auch daraus noch was machen und posten! Der Drohnenspaß hielt dann so lange, bis ein Ranger kam und uns aufgeklärt hat, dass die Sache hier verboten wäre und wir doch bitte aufhören sollen, das Gelände sei Teil eines Nationalparks und da ist das nicht erlaubt - wussten wir nicht, haben wir nicht wissen können, das Schild dazu wurde geklaut. Aber ich betone nochmal: die Aussicht war der Oberhammer!

Der weitere Plan war: Santa Monica Pier, dort was essen und dann Richtung Venice Beach laufen, um dann eine kleine Aufgabe mit einem Knopf im Ohr und Anweisungen via Walkie-Talkie zu machen. Also fuhren wir weiter. An der ersten Strandbucht, die auf dem Weg lag hielten wir an und waren ne knappe halbe Stunde beim Wasser. Am Straßenrand hatte ein alter VW Käfer geparkt, der einem älteren Herr gehörte, der die Treppe runter am Strand gerade mit seinem Hündchen Daisy lief. Das war auch mein erstes Model, der kleine Hund war ziemlich ängstlich, aber sehr aufgedreht - ich dachte, ich brauche unbedingt ein Foto von ihr und hab sie verfolgt! Die anderen haben derweil Bilder von Nico mit brechenden Wellen an Felsen machen wollen. Da bin ich dazu. Als wir dann wieder die Treppe hoch zum Auto gingen kam ein Nackenschlag: Ich habe nur Felix gesehen, wie er irgendwas hinten an seinem Auto kritisch anschaut und wusste: Hier ist irgendwas faul. Gleich ein Foto gemacht, ebenfalls geschaut und erstmal losgelacht. Ein platter Reifen. Haha. Eigentlich sollte man sich da ja aufregen, aber irgendwie habe ich mich ein klein wenig auch gefreut, weil ich eine Reportage-Serie über die Tage machen wollte und das ja mehr als ein gutes Motiv dafür ist. Nach einiger Zeit Warten und Rumtelefonieren wurde es dann doch etwas nervig, weil die Zeit mehr und mehr schwand und wir unbedingt den Sonnenuntergang am Venice Beach fotografieren wollten. Freundlicherweise wurden wir von Denise und Felix dann vorgeschickt, die beiden meinten sie würden sich um den Mietwagen kümmern, wir sollen mit Pauls Auto doch vorfahren und unser Programm weiter machen. Gesagt, getan. Der kleine Zwischenstopp hat uns allerdings dazu veranlasst den Halt am Santa Monica Pier auszusetzen und nach nem späten Mittagessen in ner Fisch-Stube direkt zum Venice Beach zu fahren, bevor es zu knapp wird und wir den Sonnenuntergang verpassen würden. Essen, lecker, währenddessen die Airbnb-Unterkunft für die kommende Nacht gebucht und weiter gefahren, direkt in einen Stau. Verursacht von einem Vollidioten, der, wie wir beim Essen sogar selbst gesehen haben, im Gegenverkehr gefahren ist und dann scheinbar mit einem Auto kollidiert ist. Wir kamen also kurz vor Sonnenuntergang am Venice Beach an. Da hatte jeder von uns vier Teilnehmern eine viertel Stunde einen Knopf im Ohr, über den uns Paul Anweisungen gegeben hat, was und wie wir wo und wen fotografieren sollen. Ich selbst sollte meine Kamera auf Gegenlichtaufnahmen einstellen und zu einem dunkelhäutigen Typen, ihn ansprechen, ein kleines Gespräch anfangen und ihn fragen, ob ich ein zwei Bilder von ihm schießen darf. Gesagt, getan, mein Knopf im Ohr fiel dann aus, ich habe nur noch Rauschen gehört. Meine Belehrung von Paul anschließend war dann, dass ich vor allem im menschlichen Kontakt noch etwas besser aufpassen könne, wie eben z.B. meine Sonnenbrille ausziehen, wenn ich mit jemandem rede, das wirke relativ schnell unhöflich sonst. Nach einiger Zeit, in der wir noch selbst ein paar Fotos gemacht haben trafen wir uns alle in einem Café, wo dann drei Mädels saßen, die Paul scheinbar kannte. Wir haben uns dazugesessen, ich habe mich vorgestellt und durfte langsam realisieren: okay, Kevin, vor dir sitzen unter anderem Lina Tesch und Pamela Reif. Aiaiai. Ich musste aufpassen, dass ich die mir gegenüber sitzenden Menschen weiter als normale, humane Menschen betrachte. War aber ziemlich schwierig mit dem Wissen, dass Lina Tesch eine Fotografin ist, der ich schon länger folge und Pamela ein Insta-Girl mit 2,5 Millionen Followern. Nicht zu vergessen Paul Ripke. Ich war müde.

Wir fuhren schließlich weiter, kauften ein, zwei Dosen Bier an der Tankstelle und auf der mehrstündigen Fahrt Richtung Joshua Tree bekamen wir von Paul ganz viele Geschichten erzählt. Es ging erst um die ausgesuchten Bilder von uns und deren Hintergrundstories und dann um einige andere persönliche Fragen und Erfahrungen, die er schon in seinem Leben gemacht hat. Es war mehr als interessant, aus den Gesprächen habe ich viel mitgenommen für mein eigenes (Fotografie-)Leben. Plötzlich war es dunkel. Stockduster und wir, mitten im Nirgendwo, steigen vor einem Häuschen in der Wüste aus. Das war unsere Unterkunft. Groß, weitflächig, schön, mit Liebe eingerichtet und ein Blick auf abertausende Sterne, die man da so gut sehen konnte. Die anderen beiden haben bereits auf uns gewartet. Nicht zu vergessen der Pool. Darin endete der Tag dann, in wenigen Stunden ging es ja schon wieder weiter.

TAG 4

Wenige Stunden Schlaf und der Wecker klingelte schon ganz früh morgens kurz vor 5 Uhr. Wir haben uns alle getroffen, David hat Donuts und Kaffee besorgt und jeder packte seine Kamerasachen ein. Wir sind ein paar Kilometer tiefer in die Wüstenlandschaft gefahren und haben an einer Stelle mit vielen großen Felsen angehalten, um da drauf zu klettern. Das war dann n bisschen schwieriger, als gedacht, aber durch tatkräftige Unterstützung haben wirs doch alle hoch geschafft. Und da angekommen wars einfach mal wieder nur Wahnsinn. Schwer zu beschreiben, was man in dem Moment fühlt, in dem man nach drei schon unglaublichen Tagen schließlich in die Ferne schaut, in der meilenweit nur Wüstenlandschaft, Steine, Felsen und die sich langsam zeigende Sonne zu sehen ist. Es war gigantisch schön und ruhig, ein Moment zum Genießen, das kommt in der Form leider nur zu selten vor.

Tiefenentspannt haben wir am Auto nochmal n paar Äpfel, Donuts und Brote gegessen bevor wir mit dem Auto zu unserem Haus zurück sind, um den Pool nochmal richtig auszunutzen. Ziemlich müde von allem haben wir dann entschieden loszufahren, dass wir die Zeit noch ausreichend nutzen und in Palm Springs vorbei fahren können. Wir mussten nämlich bald bei Paul in Newport Beach sein, dass er seine Ausrüstung und Klamotten holen kann, die er die kommenden Tage für das nächste Rennen von Nico Rosberg in Mexico gebraucht hat.

Mit 13 Donuts für sage und schreibe $4 konnte auch ich die Fahrt überleben. Kann ich ja bis heute nicht glauben, das ist hinterhergeschmissen! Wir sind auf dem Interstate Highway 10 eine ganze Weile gefahren, haben wieder über persönliche Dinge aus Pauls Leben geredet, uns bei Starbucks nen Frappuccino gegönnt und sind in einer Seitenstraße in Palm Springs zum Fotografieren ausgestiegen, bevor es dann zu Paul Ripke und David persönlich nach Hause ging. Ich dachte erst, dass wir draußen warten, bis er seine Sachen gerichtet hat, aber wir durften mit rein ins Haus, David hat uns seine Wohnung im Erdgeschoss des Hauses gezeigt, Paul dann seine und uns seiner Frau Theresas vorgestellt. Diese war grad am Salate richten und vorbereiten. Ich hatte ja schon n kleines schlechtes Gewissen, als wir sie dann alleine gelassen haben, um noch n bisschen im Meer zu baden und mit den Wellen zu schwimmen. Es war zwar arschkalt, aber immernoch angenehm, in etwa wie im September in Porto. Wieder ein Moment, in dem ich nicht wahrhaben konnte, was gerade mit meinem Leben los ist - alle anderen sind gerade am Arbeiten, Studieren, Lernen, in der Schule oder machen ihren alltäglichen Kram im kalten Deutschland und ich bin mit Nico und ein paar weiteren Glücklichen in Newport Beach am riesigen Strand bei knapp 30°C vor Paul Ripkes Haus im Meer schwimmen. Hä?! :D Zurück im Haus ging es erstmal in den legendären Jacuzzi im Hof, wo David sich nebendran am Gasgrill um zwei fette Steaks gekümmert hat. So unglaublich entspannt haben wir uns dann nach oben begeben, um das Fleisch mit den köstlichen Salaten und Saucen zu schnabulieren. Ein Genuss!

Und dann langsam war es Zeit Abschied zu nehmen. Wir sind noch eine Weile Richtung LAX, dem Flughafen gefahren und wurden Zeuge eines letzten Paul Ripke Moments: er ist schnell zum Check-In und hat seine Koffer abgegeben, wo die Frau ihm mitteilte, dass er eine Minute später keine Chance mehr gehabt hätte sein Gepäck abzugeben. Das ist Timing.

Nunja, er kam nochmal raus, hat sich dann anständig von uns verabschiedet und ging dahin. Durch die Glastür. Und wir ins Auto zurück. David hat uns zum Hotel gefahren. Mein Herz. Traurig. Schlimmster Moment des Lebens. Ich brach in Tränen aus. Ich war noch nie so aufgelöst. Ne, Spaß. Es war einfach die geilste Zeit bis da hin und es ging ja noch zwei Tage so weiter!

TAG 5 und 6

Es war eine kleine mentale Umgewöhnung ab sofort ohne Felix, Paul und David durch Los Angeles zu schlendern, aber das ging auch ziemlich schnell, weil wir wussten was für weitere geile Momente auf uns warteten: Wir sind frühstücken gegangen und dann auf mit unserem persönlichen Shuttle in Richtung Hollywood-Sign. Es stand eine geführte Wandertour durch die Hollywood-Hills an, sportlich waren wir also auch in Amerika. Wir sind am Treffpunkt angekommen und haben uns mit Eric und seiner Begleitung getroffen, die uns erstmal eine Unterschrift abverlangten, dass sie auch ja auf der sicheren Seite sind, falls wir bei der Wandertour drauf gehen - er hat vorher erklärt, dass dort überall Schlangen, Spinnen, Käfer und weitere Tiere auf uns warten könnten. Los gings! Die Tour verlief über einige trockene provisorische Wege in den Hollywood Hills und hatte manche Haltestellen, an denen man die Aussicht über ganz Los Angeles genießen konnte. Eric erklärte uns einiges zu der Geschichte von L.A., dem Hollywood Sign und dem Griffith Observatory, wo wir später am Ende der Strecke auch noch hingegangen sind. Es gab ganz oben auf dem Hügel eine kurze Verschnaufpause, in der wir Sofortbilder gemacht und einige Süßigkeiten zur Stärkung gegessen haben. Mit uns gingen übrigens zwei weitere junge Deutsche, die aus Bayern kamen und auf Rundreise in Nordamerika sind. Im Griffith Observatory, ein Observatorium mit Museum konnte man ein Stück vom Mond sehen, vom Mars und man durfte ein Teil von einem Meteoriten, der auf die Erde schlug in die Hand nehmen. Ziemlich interessant, aber nach einer knapp zweistündigen Wandertour stört der Hunger vielleicht doch etwas die Neugier. Dem kamen wir nach und sind nach der Tour zielstrebig ins 1739 Public House und haben uns dort mit Mozzarella Sticks, Pommes und Nachos den Bauch schon vor dem eigentlichen Essen, bei mir ein fetter Burger, voll gehauen. Im Hintergrund liefen auf den Fernsehern schon Vorberichte zu manchen NHL-Spielen, was uns ein wenig auf den Abend einstimmen konnte, denn da stand das Eishockey-Duell zwischen den Los Angeles Kings und den Nashville Predators an! Darauf freuten wir uns schon, weil die Stimmung in den riesigen Stadien vermutlich sehr geil sein musste. Auf dem Rückweg zum Hotel haben wir noch in einem Outlet angehalten und uns dort ein paar Kleider gekauft, bevor es abends wieder mit dem Huawei-Shuttle in die Stadt zum Staples Center, der Austragungsstätte der LA Kings-Spiele. Ein riiiesen Bunker ist das! Dort drin war erstmal arschkalt, ich hatte dummerweise nur ein T-Shirt an, aber beim Anblick der Cheerleader wurde einem wieder heiß. Haha. Innen gab es unzählige Stände zum Getränke- und Essensverkauf, es gab einen McDonalds im Stadion, es gab Fanshops, es gab Werbestände überall, kleine Supermärkte, es war der Wahnsinn. Da ist selbst die Münchner Allianz Arena ein unbedeutender Fleck auf der Landkarte. Abgesehen von der Nationalhymne, die Gänsehaut verschafft hat und einer kurzen Schlägerei zu Beginn des Spiels, war das, was sich auf der Eisfläche ereignet hat ziemlich langweilig - kann aber auch daran liegen, dass Eishockey nicht mein Sport ist. Die Stimmung war meiner Meinung nach auch etwas künstlich, da immer wieder angefeuert werden musste und es meist beim wiederholten Rufen von "LA Kings!" blieb. Aber trotzdem war es eine hammer Erfahrung, die man in Amerika auch mal gemacht haben muss!

Am darauffolgenden und letzten Tag in Los Angeles sind wir zur Küste von Marina del Rey gefahren und durften dort nach ner kleinen Anweisung wie und wo und was jeweils zu zweit auf nem Jetski aufs Meer rausfahren - aiaiai, was war das für ne Erfahrung! Ich selbst dachte immer es wäre ein Wucherpreis für ne Stunde auf so nem Teil rumzufahren Unmengen an Geld zu verlangen, aber nachdem wir da drauf bis zu 70km/h geschafft haben und es uns in die Wellen gehauen hat bin ich absolut anderer Meinung! Der Spaß mit den Dingern ist sowas von jeden Cent wert, den man dafür ausgibt - jedem zu empfehlen, der es noch nicht ausprobiert hat. Kurz darauf sind wir via einem Fahrer durch Lyft, einer Privat-Mitfahrgelegenheits-App, die zusammen mit Uber sehr sehr nützlich ist in Los Angeles, nochmal zum Venice Beach gefahren und haben uns vor dem Sonnenuntergang die Plauze vollgehauen. Wir hatten es ziemlich übertrieben, als wir wieder drei Starter bestellt hatten, von denen wir fast schon satt waren und anschließend jeweils noch eine eigene richtige Mahlzeit. Das wäre alles kein Problem gewesen, wenn wir nicht zwei Stunden später ein 5 Gänge Menü auf einem Schiff, was im Hafen von Marina del Rey umherfuhr aufgetischt bekommen hätten. Das war sehr lecker und sah ziemlich edel aus, allerdings schienen unsere Mägen bedroht zu seine jede Sekunde in alle Richtungen zu platzen. Ein Wunder, dass das nicht passiert ist.

So waren wir noch heil und sind zum Hotel gefahren, nachdem wir beschlossen hatten aus dem geplanten Feier-Abend ein Früh-Schlaf-Abend zu machen, weil ja morgens schon unser Flieger flog und ich noch meine Sachen packen musste.

Es war ohnegleichen eine Woche, die ich mir nicht perfekter hätte ausmalen können. Ich werde dafür, wenn überhaupt, eine ganze Weile brauchen, um das zu realisieren, was ich erleben durfte. Ich bin so unendlich dankbar, dass mir das ermöglicht wurde, einmal Huawei, der Telekom, zum anderen Paul Ripke, David und Felix selbst, natürlich die Person, die alles organisiert hat: Denise alias Sabine und allen Menschen, die es anderweitig irgendwie zu dem gemacht haben, was es war. Eine gigantische Woche voller Erfahrungen fürs Leben.

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