03.2017 Sallys Welt - Kevin Springmann

Zu Besuch in Sallys Welt

Letztens hab ich mich auf die Reise ins versteckte, kleine, angeblich schöne - ich habs noch nicht ganz erkundet - Waghäusel gemacht. Dort durfte ich die liebe Sally, ihren Mann Murat und ihr Team beim Dreh besuchen und einen Tag lang begleiten!

Ich wohne in Achern, eine Station vor dem Beginn des Karlsruher Verkehrsverbundes und musste eeeein mal ganz durch den ganzen KVV fahren, um zur Wohnung zu kommen, wo Sally mit ihrer Familie lebt. Zuhause in ihrer privaten Küche werden auch mehrmals die Woche neue Videos für ihre YouTube-Seite gedreht, die letztens schon ihren 1.000.000. Abonnenten bekommen hat!

Kennengelernt habe ich Sally und Murat im Februar auf einer Fachtagung an meiner Hochschule, bei der es um Konsum in der digitalen Welt ging und die beiden einen Vortrag über ihren wirklich sehr erfolgreich gewordenen YouTube-Kanal gehalten haben.

Nach etwa anderthalb Stunden Fahrt, bin ich ganz früh morgens - in meiner momentan vorlesungsfreien Zeit etwas ungewohnt, haha - um 8:30 Uhr pünktlich auf der Matte gestanden. Sally hat mich herzlich begrüßt, mir gesagt wie vorbildlich pünktlich ich doch bin und dass die anderen noch unterwegs sind. Sie hat mir gleich nen Kaffee angeboten und war einfach so mega freundlich, wie ich sie schon an der Tagung kennengelernt hab.

Kurz später kamen dann Andrea, Tom und Marius, das Team, was Sally beim Dreh immer um sich hat. Andrea ist die Assistentin, die Frau für alles, wo sie nur helfen kann (für mich ja irgendwie ganz klar die Mama des Teams), Tom ist der Kameramann und Marius der Fotograf, der auch als Kameramann filmt. Murat hatte Frühdienst und kam nach der Arbeit auch zu uns dazu. Und so hat der Dreh dann angefangen, ich hab mich drauf gefreut!

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Die ganze Technik wurde aus einer Abstellkammer geholt, ich durfte helfen aufzubauen. Zwei riesige Softboxen und andere Lichtquellen, eine verhältnismäßig große Filmkamera und zwei weitere Systemkameras, Stative, Objektive, Kabelsalat, alles drum und dran. Man glaubt als gar nicht, was hinter so einem Dreh alles steckt und wie solche Videos aufgenommen werden. Das gesamte Equipment ist mittlerweile total professionell geworden. Früher, als Sally angefangen hat, hatte sie noch mit ihrer kleinen Digitalkamera ihre Videofilmchen gedreht. Mittlerweile wird alles in HD aufgenommen, geplant, geschnitten und macht wirklich Arbeit, was man als Zuschauer im ersten Moment vielleicht gar nicht wirklich denkt.

Was stand auf dem Plan? Es wurde gebacken! Und zwar der legendäre Nusszopf, mit dem Sally ihr YouTube-Kanal eröffnet hatte damals vor 5 Jahren am 11. April. Zum Jubiläum soll es den nochmal geben. Also hat Andrea mit Sally die Zutaten nach Rezept in Schüsselchen vorbereitet, diese wurden demonstrativ aufgestellt und dann konnte schon aufgenommen werden, welche Zutaten man braucht, um den Hefeteig zu machen. Es wurde munter weiter gemacht, immer mit kleineren Pausen, in denen Dinge vorbereitet wurden. Schritt für Schritt erzählt Sally, was die Zuschauer, wenn sie es denn nachbacken wollen, beachten und machen müssen.

Nachdem der Teig fertig war, wurde er zum Ruhen gestellt und es wurden die Zutaten für einen zweiten Teig vorbereitet, weil noch ein Fernsehteam der Deutschen Welle kam um 10:00 Uhr, was  eine Reportage drehen wollte. Die Moderatorin Sandra Berndt hat dann nochmal von vorne den Nusszopf von und mit Sally gebacken und sie gleichzeitig über ganz viele Dinge interviewt. Den Beitrag wird man in etwa einer Woche auf dem Sender Deutsche Welle sehen können. Das Backen hat dann nochmal ziemlich lange gedauert und Sally ist aufgefallen, dass sie im ersten Teig die Butter vergessen hat! Deswegen musste dann nochmal für ihren YouTube-Kanal neu gedreht werden, dass in den Teig bei allen auch ja die Butter reinkommt. Der Zopf wurde gefüllt, gebacken, gefilmt, alles lief. Das Kamerateam ging dann gegen Nachmittag und es konnte wieder für die eigenen Filme gedreht werden. Der Nusszopf im Ofen, die GoPro für eine Zeitraffer-Aufnahme vor die Ofenscheibe gestellt und wegen der Spiegelung dahinter mit einem Handtuch abgedeckt.

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Weiter gings. Sally macht nämlich nicht immer nur ein Video am Tag, sondern zwei, drei oder manchmal auch vier. Sie dreht also den ganzen Tag, weil es sich sonst nicht wirklich lohnen würde die ganze Technik aufzubauen. Parallel, während der Nusszopf also im Ofen aufging, hat Sally ein Moussaka gemacht. Dafür wurden Kartoffeln angebraten, Aubergini (running gag, haha) gebraten, Hackfleischsoße gemacht usw., was genau alles dazu gehört kann man einfach bald im Video sehen, was hochgeladen wird. :)

Das ganze Braten war ziemlich zeitintensiv, deshalb hat Andrea sehr geholfen, außerdem wurde immer wieder das Geschirr gespült, die Spülmaschine ein- und ausgeräumt, alles sauber gemacht. Bei so nem Dreh kommt einfach ganz viel Arbeit zustande, das glaubt man manchmal gar nicht, weil es in den Videos am Ende auch einfach immer so sauber und einfach aussieht.

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Als das Moussaka dann fertig gerichtet war und nur noch in den Ofen musste, war schon fast 17 Uhr. Und trotzdem kam noch ein weiteres Video dazu, nämlich ein sehr einfaches und schnelles: Spaghetti Carbonara à la Sally und Murat. Auch da wurden die Zutaten gefilmt, die Nudeln gekocht, die Soße zubereitet, alle möglichen Perspektiven ausprobiert, in die Kamera gesprochen, alles alles alles. Am Ende eines Gerichts wurde übrigens nochmal alles schön hergerichtet und Murat gerufen, um den Anfang und das Ende zu drehen, in dem er probieren und seine Bewertung abgeben darf. N bisschen Provozieren und witzige Kommentare lassen ist da Gang und Gebe.

Als Marcel, der Auszubildende von Sally noch kam, waren wir fast fertig mit dem Dreh der Videos. Das Moussaka im Ofen, die Spaghetti fertig und fotografiert. Murat und Marcel haben ein paar Dinge besprochen, miteinander geredet, ich konnte mir den eigenen YouTube-Kanal "drawinglikeasir" von Marcel anschauen bzw. das Beispiel, wie man eine Hand zeichnet. Er hat auch schon 77 Tausend Abonnenten, was echt ne erstaunliche Zahl ist. Murat hat ihn und mich dann noch auf den Bau mitgenommen und uns alles gezeigt, also haben wir die Spaghetti kurz gegessen, solange sie noch warm waren und sind losgefahren ins Industriegebiet von Waghäusel Wiesental. Was er uns dort dann über den Bau erzählt hat, war wirklich beeindruckend. Es soll ein zweistöckiges Haus werden, wo Studio-Küchen und Privat-Küche rein sollen, dass endlich zwischen Privat und Arbeit getrennt werden kann. Es gibt einige Büros im Haus, es wird ein Wohnzimmer geben, eine Vorratskammer in der Größe eines eigentlich normalen Zimmers und oben im zweiten Stockwerk sollen die Eltern von Sally einziehen können. Es gibt einen Aufzug, Wintergärten und neben dem ganzen Gebäude soll noch ein zweites gebaut werden, was hauptsächlich Büroräume stellt. Wirklich krass, wie groß und professionell sich alles entwickeln kann, angefangen mit einem kleinen YouTube-Kanal. In der Küche hängt eine gerahmte Urkunde der L-Bank, was die Sally GmbH als eines der Top 10 Jung-Unternehmen im Land Baden-Württemberg 2016 auszeichnet. Es stecken insgesamt auch 25 (!) Mitarbeiter dahinter, die alle unterschiedlichste Aufgaben haben, von Videos schneiden, Fotografieren hin zu Grafikarbeiten und und und. Ich hab wirklich den größten Respekt davor, was die zwei zusammen auf die Beine gestellt haben. Da steckt wahnsinnig viel Arbeit dahinter, wenn man sich das Ganze mal genau anschaut.

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Nach dem Bau-Besuch sind wir zu Sallys Eltern, um Samira und Ela, die zwei Töchter, nach Hause zu holen. Dort waren dann mittlerweile schon alle anderen weg, Marcel ist auch heimgegangen und ich durfte noch eine Weile bleiben. Samira hat mir ihr Zimmer gezeigt und mir ganz stolz alle möglichen Spielsachen und Dinge gezeigt, die ihr gerade in den Blick gekommen sind. Unter anderem das Tier, was zwei Tage vor meinem Besuch in Instagram live geschlüpft ist und Samira von Murat versprochen wurde (ein Hatchimal). Ich durfte dann noch vom Moussaka probieren, was natürlich wieder wahnsinnig lecker war, konnte mit Sally ein bisschen übers Studium reden, weil sie die gleichen Fächer hatte und auch Grundschullehramt studiert hat, wie ich. Gegen 19:30 Uhr ist sie dann abgeholt worden von einer Freundin zum Sport machen und ich habe mich langsam wieder auf den Heimweg gemacht.

Dass hinter so einem Drehtag zwar viel Spaß steckt, aber auch einiges an Anstrengung wurde mir dann spätestens klar, als ich bei der Heimfahrt im Zug eingeschlafen bin und Achern verpasst hab. So musste ich zwei Stationen später aussteigen und auf den nächsten Zug zurück warten, aber ich glaube das war der Tag auf alle Fälle wert! :)

Hier übrigens noch ganz exklusiv: die Arbeiten der Nachwuchsfotografin Samira. Sie kommentierte ihre herausragende Arbeit "Ich fotografiere alle Häuser, die mir gefallen." Außerdem hat sie ihre Schwester Ela in einem bezaubernden Portrait festgehalten und eine bemerkenswerte Ablichtung von Marcel, dem Azubi, im Gegenlicht des Waghäuseler Sonnenlachens erschaffen. Hut ab vor dieser Leistung, und das mit sechs Jahren. Da hab ich noch mit Lego gespielt.

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